
Die militärische Entführung eines Präsidenten, der Bruch des Völkerrechts und ein Milliardär, der an der Beute verdient – wer immer noch glaubt, es ginge in der US-Außenpolitik um Demokratie, hat die falsche Religion gewählt.
Ein Putsch im Namen des Öls
An einem Samstagmorgen lässt der aktuelle US-Präsident Donald Trump venezolanische Spezialeinheiten nicht nur überfliegen, sondern überfallen: Nicolás Maduro wird von US-Truppen festgesetzt, in Ketten nach New York verfrachtet, während Washington kühl verkündet, man werde Venezuela „auf unbestimmte Zeit“ selbst „führen“. Jurist:innen bezeichnen den Angriff als klaren Verstoß gegen US‑Recht und internationales Recht – ein klassischer Angriffskrieg, getarnt als „Operation gegen Drogenkartelle“.
Die Legende vom Drogenkrieg zerfällt beim ersten Faktencheck: Venezuela produziert kein Fentanyl und spielt beim Kokainfluss in die USA nur eine Nebenrolle, während Trump parallel den verurteilten honduranischen Drogenhändler‑Ex‑Präsidenten Juan Orlando Hernández begnadigt. Was bleibt, ist der eigentliche Casus Belli: Öl – und zwar viel davon, denn Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt, die Trump seit Jahren offen als Beute ins Spiel bringt, inklusive der Ankündigung, die USA hätten Venezuela „übernommen“ und sich „all das Öl geholt“, wäre er nur an der Macht geblieben.
Der Vulture-Kapitalist im Hintergrund
Während Marines landen, landen Milliardengewinne bei einem Mann, der nie eine Wahl gewonnen hat, aber ganze Staaten einkassiert: Paul Singer, Hedgefonds‑Boss, Vulture‑Investor und treuer Financier der MAGA-Rechten. Singer spendete im Wahlzyklus 2024 Millionen an Trumps Super PAC, legte zig Millionen für seine Verbündeten im Kongress drauf und zahlte zusätzlich für Trumps zweiten Regierungsübergang – eine politische Investition, die sich jetzt buchstäblich in Öl auszahlt.
Im November 2025 kauft Singer über Elliott Investment Management den US‑Ableger der venezolanischen Staatsölgesellschaft, Citgo, für 5,9 Milliarden Dollar – ein Unternehmen, das von Gerichtsgutachter:innen mit 13 Milliarden und von venezolanischer Seite sogar mit bis zu 18 Milliarden bewertet wird. Citgo kontrolliert drei große Raffinerien an der Golfküste, 43 Öllager und ein Netz von über 4000 Tankstellen in den USA, also die Infrastruktur, die nun dank der gewaltsamen „Neuordnung“ in Venezuela mit billigem Rohöl geflutet werden kann.
Embargo, Epstein-Akten und gekaufte Politik
Dass Singer Citgo so billig einsacken konnte, ist kein Zufall, sondern das Produkt einer politisch hergestellten Notlage: Das US-Embargo auf venezolanisches Öl zwang Citgo dazu, teurere schwere Rohöle aus Kanada und Kolumbien zu importieren, obwohl die Raffinerien technisch auf venezolanische „sour crude“ ausgelegt sind – die Profitabilität wurde gezielt heruntergefahren. Gleichzeitig versuchten venezolanische Stellen, die Gerichtsentscheidung zugunsten von Singers Gebot anzufechten – eine Aussicht, die sich mit dem Sturz Maduros in Luft auflöst.
In diese Gemengelage platzt ein weiteres Detail, das den moralischen Anspruch Trumps vollständig demontiert: Als der Präsident 2025 einen parteiinternen Kritiker, den republikanischen Abgeordneten Thomas Massie, wegen dessen Unterstützung der Veröffentlichung der Epstein‑Akten abstrafen will, braucht er Geld für einen innerparteilichen Gegenkandidaten – und Singer liefert eine Million Dollar, die größte Einzelspende in diesem Projekt. Dass derselbe Präsident später ein Land überfällt, dessen Ölstruktur Singers jüngsten Megadeal vergoldet, macht aus „Korruption“ eine höfliche Untertreibung für einen Klassenkrieg von oben.
Think Tanks als Waffenfabriken der Oligarchie
Der Putsch in Venezuela wurde nicht im Pentagon erfunden, sondern in klimatisierten Büros konservativer Think Tanks, die seit Jahren systematisch von Singer alimentiert werden. Mehr als 10 Millionen Dollar flossen von ihm an das Manhattan Institute, dessen Publikationen kontinuierlich auf einen „Regimewechsel“ in Caracas drängten, Trumps Sanktionen verteidigten und jede Form militärischer Intervention gegen Maduro als legitime Option normalisierten.
Parallel finanzierte Singer die Foundation for Defense of Democracies, die im November 2025 offen Luftangriffe auf „kartellnahe Infrastruktur, Drogenproduktion und militärische Assets“ in Venezuela forderte – ein Drehbuch, das heute in realen Raketen und echten Leichen umgesetzt wird. Weitere Gelder an AEI und Heritage Foundation stellten sicher, dass in der US-Öffentlichkeit ein durchgängig bellizistischer, neoliberaler Konsens entstand, in dem venezolanische Souveränität nur ein Störfaktor für Profiterwartungen ist.
Gebrochenes Völkerrecht, gebrochene Demokratie
Mit der Festsetzung eines amtierenden Staatschefs auf fremdem Territorium, der Übernahme der Regierungsgewalt und dem offen erklärten Zugriff auf strategische Ressourcen verlässt die US-Regierung endgültig jeden Rest des ohnehin zahnlosen Völkerrechts. Was hier stattfindet, ist keine „humanitäre Intervention“, sondern ein kolonialer Raubzug des 21. Jahrhunderts, der die UN‑Charta zur Fußmatte für Hedgefonds und Oligarchen macht.
Maduro bleibt ein autoritärer Kleptokrat, der sein Land mit zerstört hat – aber die Antwort der US-Elite ist nicht Befreiung, sondern ein Konzernputsch, bei dem ein Milliardär, der den Präsidenten und die ideologische Begleitmusik finanziert, die Ölraffinerien einkassiert, während Marines die politische Führung abführen. Wer in dieser Konstellation noch von „Demokratieexport“ spricht, macht Propaganda für ein Imperium, das offen erklärt, dass Rechtsstaat und Menschenrechte enden, wo die Pipeline beginnt.
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@redaktion Danke für Deine scharfe Kritik am sozialistischen Machthaber #Maduro und Deiner Thematisierung der Unterdrückung der venezolanischen Bevölkerung, dem Aufgreifen der erhöten Tötungsrate unter Ihm und was dieses #Dreckschwein noch alles getan hat um #Stalin gleich zukommen.
Mirco, Du bist unser Held!!1!
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Danke für die Blumen, aber weder bin ich Autor des Beitrags, noch habe ich iwie dazu beigetragen.
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